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Klassische Erziehung vs. Bedürfnisorientiert

Heute möchten wir einmal versuchen, euch den Unterschied zwischen der
klassischen Erziehung und bedürfnisorientiertem Familienleben aufzuzeigen – so wie wir es persönlich empfinden.

Erziehung

Zuerst wollen wir den „Begriff“ Erziehung definieren. Unter Erziehung wird
im allgemeinen die aktive Einflussnahme der Eltern auf die Entwicklung des
Kindes verstanden. Das bezieht sich vor Allem auf die psychische
Entwicklung.

Regeln, Strukturen, Strafen, Konsequenzen, Belohnungen

Die traditionelle Erziehung setzt auf klare Regeln und Strukturen, wendet
Strafen (oder neuzeitlich Konsequenzen genannt) und Belohnungen an. Das Ziel
ist immer, ein gewisses Verhalten des Kindes zu erreichen. So werden z. B.
Belohnungssysteme eingeführt, an denen das Kind visualisiert bekommt wie
„gut“ oder „schlecht“ es sich verhalten hat. Strafen werden nicht mehr
Strafen genannt, sondern „Konsequenzen“ – dabei wird aber des Öfteren die
wahre Bedeutung einer Konsequenz außer Acht gelassen. So heißt es dann nicht
mehr: „Zur Strafe hast du Hausarrest.“, sondern: „Die Konsequenz deines
schlechten Benehmens ist Hausarrest.“ Zusammengefasst: Erziehung hat klar
das Ziel, die Kinder so zu formen, dass sie unserer Meinung nach in das
vorhandene System passen oder sich zumindest problemlos anpassen können.

Bedürfnisorientiert

Bedürfnisorientiert leben heißt eigentlich nichts anderes, als sich der
Bedürfnisse meist der kleineren und hilfloseren Familienmitglieder, bewusst
zu machen und dementsprechend zu handeln.

Regeln, Strukturen, Strafen, Konsequenzen, Belohnungen

Natürlich gibt es im bedürfnisorientierten Leben auch Regeln, gewisse Strukturen und Konsequenzen. Nichts von alledem wird aber wahllos eingesetzt und auch nicht, um ein gewisses Verhalten des Kindes zu erreichen. Regeln gibt es überall im Leben, z. B. Verkehrsregeln. Darum kommen auch BO Familien nicht herum. Allerdings versuchen wir Regeln zu vermeiden, die für
uns „unnütz“ sind. Das ist von Familie zu Familie allerdings total verschieden – bei Familie A darf vom Fußboden gegessen werden, aber nicht auf dem Sofa gehüpft werden, bei Familie B ist Sofahüpfen durchaus erlaubt, allerdings findet sie es doof, wenn vom Boden gegessen wird. Jede Familie hat unterschiedliche Bedürfnisse und in jeder dieser Familien wird versucht, alle Bedürfnisse so gut es geht zu erfüllen.

Auch gibt es gewisse Strukturen – die müssen allerdings nicht mit „aller Gewalt“ eingehalten werden – wir versuchen flexibel zu sein und auch hier die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen und wir versuchen ggf. Kompromisse zu finden. Immer vor Augen sollte sich aber gehalten werden, dass die Bedürfnisse der Kleinsten doch etwas höher wiegen als die der Größeren, da die Größeren z. T. selbst in der Lage sind, Kompromisse zu finden, sich ihre Bedürfnisse selbst zu erfüllen oder u. U. auch mal auf etwas zu warten.

Auf Strafen sollte komplett verzichtet werden – Strafen bringen unserer Ansicht nach gar
nichts. Lediglich sorgen sie für Frust, Stress, Ärger und eine schlechte Harmonie innerhalb der Familie und sie zerstören die Bindung. Konsequenzen sind stets natürlich und Situationsbedingt. Hier kommen wir zum deutlichen Unterschied zwischen Strafen und Konsequenzen – was in der traditionellen Erziehung gerne verwechselt wird. Ein Computerverbot für eine schlechte
Zensur in der Schule, ist KEINE Konsequenz, sondern eine Strafe. Die Konsequenz für eine schlechte Zensur in der Schule ist, eben eine schlechte Zensur, ggf. Traurigkeit des Schülers und u. U. eine schlechtere Note auf dem Zeugnis.

Ebenso sollte auf Belohnungen für ein gewisse Verhalten verzichtet werden. Auch das ist ganz klar Erziehung – durch Belohnungen signalisiere ich dem Kind: „Nur wenn du dich so und so verhältst, bekommst du xyz.“ – wir können klar „belohnen“ – aber Situations- und
Verhaltensunabhängig. Ein Kind verdient nicht nur dann Liebe, Geschenke, Aufmerksamkeit usw., wenn es sich so „benimmt“ wie wir oder die Gesellschaft es gerne hätte.  Ein Kind verdient immer und zu jederzeit Liebe! Auch müssen Belohnungen nicht materiell sein – Zeit und Aufmerksamkeit sind heutzutage fast mehr Wert, als alles Materielle.

All das heißt aber nicht, unsere Kinder „einfach so laufen zu lassen“ – Es gibt klar einen Unterschied
zwischen „übertriebenen Regeln“, die mit Drohen, Schimpfen und ggf. Gewalt
durchgesetzt werden und welchen wo es um den Schutz des Kindes, der eigenen
Person, oder anderer Personen geht. Wenn mein Kind auf die Straße rennt, wo
gerade Autos fahren halte ich es natürlich fest, zur Not auch stärker – um es zu schützen – hinterher erkläre ich, begleite seinen Schreck, seine Wut, seine Angst liebevoll. Wenn mein Kind mich oder andere Kinder schlägt, geh ich ebenso dazwischen und schütze das andere Kind – wende aber keine Drohungen gegenüber meinem Kind an, wie: „Wenn du nicht aufhörst, gehen wir.“
– sondern ich versuche zu ergründen welches Bedürfnis hinter seinem Verhalten steckt. Ebenso tue ich dies, wenn mein Kind „Opfer“ eines auf dem Spielplatz hauenden Kindes ist. (Je nach Alter des Kindes, kann es ein Versuch der Kontaktaufnahme sein, oder es ist so freudig, dass es sich nicht
anders auszudrücken weiß, oder es ist sauer, weil das andere Kind mit einem Eimer spielt mit dem es gerade selbst spielen will.)

Bedürfnisorientiert heißt nicht, dass alleine die Bedürfnisse meines Kindes/ meiner Familie
zählen, sondern die Bedürfnisse aller sich in meinem Umfeld befindlichen Menschen. Das setzt voraus, wachsam und offen durchs Leben zu gehen – was wiederum äußerst anstrengend ist. In einer hektischen und ichbezogenen Zeit, erfordert es auch Mut und Gelassenheit.

Mein persönliches Fazit

Begegnen wir unseren Kindern auf Augenhöhe, behandeln wir sie nicht wie Untergebene, sondern sehen sie als gleichwertig an. Zeigen wir ihnen immer wie sehr wir sie lieben – auch dann – oder gerade dann – wenn sie sich selbst nicht lieben, oder wenn sie gerade nicht so sind, wie wir denken wie sie sein sollten. Lassen wir sie sich und ihre Persönlichkeit frei entfalten, ohne aktiv und mit Gewalt Einfluss zu nehmen. Lernen wir unsere Kinder so anzunehmen wie sie sind. Leben wir ihnen unsere Werte vor, aber seien wir nicht enttäuscht oder ärgerlich, wenn sie sich anders entscheiden.
Schützen wir sie vor Gefahren, aber engen wir sie nicht unnötig ein. Und haben wir keine Angst, dass aus unseren Kindern schlechte oder tyrannische Menschen werden – unser Vorbild ist das was sie brauchen. Stärken wir sie – nicht mit Strafen und Belohnungen, sondern mit Liebe und Achtsamkeit. Nehmen wir Rücksicht auf ihre Bedürfnisse und auf unsere, dann werden aus ihnen liebevolle und achtsame Menschen – und genau das ist es was wir brauchen.

Was sind Bedürfnisse?

Es gibt ganz existenzielle Bedürfnisse nach z. B. Nahrung, Nähe, Wärme, usw.
Und dann die weniger offensichtlichen z. B. nach Ruhe, Ausgleich, Wissen, uvm.

Oftmals hört man: „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Aber genau darum geht es auch nicht. Hinter jedem Wunsch steckt ein Bedürfnis – und das müssen wir herausfinden. Natürlich müssen wir unseren Kindern nicht Blindlinks und ohne drüber nachzudenken jeden Wunsch erfüllen, schon gar nicht materielle. Wir sollten dennoch versuchen herauszufinden, was unser Kind uns mit diesem Wunsch sagen will. Vielleicht findet es die Farbe des Stofftieres so interessant, oder die vielen Knöpfe auf dem Telefon, dann können wir das Bedürfnis des „Entdeckens“ ganz einfach stillen, indem wir es einfach entdecken lassen – deswegen müssen wir es noch lange nicht kaufen. Kinder greifen instinktiv auf das „Erlernte oder Erlebte“ zurück – das, wobei sie sich in früheren Situationen wohl gefühlt haben, fordern sie ein. Wenn sie ein Kuscheltier als weich und kuschelig empfunden haben, wollen sie alle Kuscheltiere haben und kuscheln, weil es ihnen das Gefühl von Sicherheit vermittelt – es ist etwas Bekanntes …

Wenn sie gemerkt haben, dass der TV ihnen innere Ruhe und Entspannung verschafft, wollen sie immer öfter TV schauen, weil es, wie oben erwähnt, etwas Vertrautes ist. Sie sind nicht in der Lage zu erkennen: „Das kuschelige Gefühl kann ich auch mit den 100.000 Kuscheltieren zu Hause haben“, oder: „Entspannen kann ich auch wenn ich ein Buch anschaue“ – sie greifen auf das zurück, was sie kennen und/oder als „angenehm“ empfunden haben.

Wenn wir als Eltern nun das Bedürfnis hinter dem Wunsch erkennen, können wir den Kindern Alternativen zeigen womit sie ggf. ebenso ihr Bedürfnis erfüllt bekommen. Somit erfahren sie, dass es viele verschiedene Wege und Strategien gibt, ein Bedürfnis erfüllt zu bekommen bzw. sich später zu erfüllen. Wenn wir lediglich ein „TV-Verbot“ aussprechen, lernen die Kinder nichts dabei – sie merken nur, dass ihr Bedürfnis nach – bleiben wir beim Beispiel – der Entspannung nicht erfüllt wird und steigern sich mehr und mehr in ihr schlechtes Gefühl hinein.
Begleiten wir sie daher liebevoll in ihren Emotionen. Zeigen ihnen Alternativen, ärgern uns aber nicht darüber, wenn sie unsere Versuche nicht gleich annehmen – sie müssen tatsächlich erst selbst spüren, dass es für sie von Nutzen sein kann.
Und dann kommt ja noch dazu, dass jeder Mensch – und damit auch jedes Kind – anders ist. Der eine kann bei einem Buch entspannen, der andere absolut nicht. So sind wir alle verschieden und besonders. Geben wir unseren Kindern also die Möglichkeit selbst heraus zu finden was ihnen gut tut – und das geht nur, wenn wir offen sind und sie möglichst frei lassen.

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