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Interview mit Nadine

Heute stell ich euch das Interview mit Nadine von Ökofamilie.de rein.
sie ist verheiratet und hat zwei Kinder im alter von 6 und 2 Jahren 🙂

So, und nun viel Spaß beim lesen 🙂

Selbstbetreuung.de: Wenn ihr mögt, erzählt doch mal ein bisschen was über euch.

Antwort: Wir sind die Ökofamilie und stehen für naturnahes Leben. Im Prinzip sind wir eine ganz normale Familie, wir leben allerdings ein wenig anders als man es kennt. Wir sind minimalisten und Veganer, unsere Kinder sind Freilerner, dazu kommt noch, dass unsere Kinder Windelfrei sind. Zu einem möglichst natürlichen Leben gehört für uns auch, dass wir unsere Kinder selbst betreuen. Wir wollen unseren Kindern zeigen, dass das Leben nicht hart ist, sondern schön, auch das gehört für uns dazu – ein einfaches aber glückliches Leben.

Selbstbetreuung.de: Warum habt ihr euch für die Selbstbetreuung entschieden? Gab es einen Auslöser, oder war euch von Anfang an klar eure Kinder in keine Tageseinrichtung zu geben?

Antwort: Theoretisch war es von Anfang an klar, dass keines unserer Kinder in einen Kindergarten sollte. Praktisch sah es dann so aus, dass wir uns irgendwann dazu genötigt gefühlt haben. So ging unser Sohn fast 2 Monate lang in einen Kindergarten, den er nicht mochte. Das hat uns dann in unserer Entscheidung bestärkt und seither sind wir überzeugt davon, dass es das Richtige für uns ist, unsere Kinder selbst zu betreuen. Wir sind nicht per se dagegen, jedoch ist die aktuelle Situation in Kindertagesstätten nicht zumutbar und wie es aussieht wird das auch noch eine Weile so bleiben.

Selbstbetreuung.de: Wie gestaltet sich euer Alltag? Habt ihr in Eurem Umfeld gleichgesinnte? Lebt ihr intuitiv mit euren Kindern oder fördert ihr sie gezielt im Hinblick auf einen späteren Schulbesuch?

Antwort: Unser Alltag gestaltet sich immer anders. Unser Großer hat ständig neue Ideen und Wünsche, die wir so gut es geht berücksichtigen um auch sicher zu stellen, dass er seinem Drang nach Wissen ungestört nachgehen kann. Es macht Spaß, ihm immer neue Möglichkeiten zu bieten sich zu entfalten. Schule können wir uns momentan nicht vorstellen. Bis auf weiteres werden beide keine staatliche Schule besuchen, zumal wir selbst unsere Kinder am besten fördern können. In unserem direkten Umfeld gibt es kaum Gleichgesinnte, aber es gibt sie. Wir durften bereits ein paar Familien kennenlernen, was jedes Mal wirklich sehr schön war, eben weil man im Alltag eigentlich nie auf jemanden trifft. Das Einzige was wir fördern, ist der ganz natürliche Wissensdurst. Für uns funktioniert das super, da wir es auch als unsere wichtigste Aufgabe sehen, unsere Kinder groß zu ziehen. An sich gehen wir auch immer bei allen Entscheidungen unserem Gefühl nach. Die bisher beste Methode um voran zu kommen, sodass alle zufrieden sind

Selbstbetreuung.de: Habt Ihr Unterstützung seitens der Familien, oder kümmert ihr euch ausschließlich selbst um die Kinder? Wie geht euer Umfeld mit dem gewählten Familienmodell um? Gab es Kritik oder stehen sie absolut hinter euch?

Antwort: Kritik und Befürwortung sind gleichermaßen vertreten. Wir haben ein dickes Fell und können gut damit leben, es stört uns nicht. Abgesehen von uns muss niemand diese Entscheidung gut heißen, es ist schließlich unsere. Überwiegend kümmern wir uns selbst um unsere Kinder, einfach weil bei allen die Zeit zu knapp zu sein scheint, oder das Interesse nicht groß genug ist. Langsam werden die kritischen Stimmen auch leiser, weil man es irgendwann auch so akzeptieren muss wie es ist. Meine Geschwister stehen – soweit ich weiß – voll dahinter. Unsere Eltern Freunden sich ganz langsam, aber sicher mit unserer Art zu Leben an. Eine andere Wahl haben sie auch nicht, wir würden den Kontakt sonst auch abbrechen. Man soll sich schließlich von allem lösen, was einem nicht gut tut.

Selbstbetreuung.de: Wie sieht für euch persönlich die Zukunft der Selbstbetreuung aus? Das heißt: welche Ziele verfolgt ihr? Gibt es überhaupt eine Zukunft (ganz generell gesehen) für diese Art der Betreuung? Was ist von staatlicher Seite aus eurer Meinung nach notwendig, damit sich mehr Familien wirklich bewusst für eine Selbstbetreuung entscheiden können?

Antwort: Vom Staat erwarten wir nichts mehr. Es ist wirklich schade und sehr traurig, dass so viele Mütter ihre Kinder in Fremdbetreuung geben müssen, obwohl sie sich damit nicht wohl fühlen. Generell interessiert es niemanden, wie es dir und deinen Kindern geht. Deshalb sehen wir hier in Deutschland auch keine Zukunft. Von staatlicher Seite her wird sich so schnell nichts ändern, man wird immer die bevorzugen, die sich dem System beugen, weil es für den Staat profitabler ist. Da wird es niemals eine akzeptable Lösung geben. Wer bezahlt schon jemanden dafür, dass er auf der faulen Haut liegt? Das Bild von Müttern die zu Hause sind ist nun einmal genau dieses. Bist du mit deinen Kindern zu Hause heißt es, du bist arbeitsscheu und untätig. Dass es harte Arbeit ist, Kinder großzuziehen sieht niemand. Man will es auch nicht sehen. Solange dieses Bild vorherrscht, kann man nichts erwarten. Wir haben lange hier in Deutschland dafür gekämpft, mit vielen Menschen gesprochen, auch mit Erzieherinnen und anderen Beteiligten. Es lief immer auf eines hinaus: Selbstbetreuung ist schlecht. Daher verfolgen wir hierzulande keine Ziele mehr, da wir der Ansicht sind, dass es momentan in Deutschland sehr schwer ist. Wir wollen auch nicht unser leben lang für etwas kämpfen, das Leben soll schön sein und Spaß machen. Für alle die ihre Kinder zu Hause behalten wollen: Macht es einfach! Ihr setzt ein Zeichen, zeigt dass es anders geht und ermutigt andere, eventuell unsichere Eltern. Wir haben einen Weg gefunden und wir sind nicht mit viel Geld gesegnet. Es geht also immer irgendwie, wenn man es will. Vielleicht tut sich irgendwann etwas, wenn nur genügend Menschen den Mut aufbringen, der Sache eine Stimme zu geben und ihre Kinder zu Hause lassen.

Selbstbetreuung.de: Was würdet ihr vielleicht auch anderen Familien ans Herz legen, die sich noch unsicher sind in der Wahl ihrer Betreuungsform? Habt ihr schon eigene positive Erfahrungen mit älteren Kindern gemacht, oder gibt es eventuell auch negative Punkte, die euch dennoch in der Wahl für die Selbstbetreuung nicht verunsichert haben?

Antwort: Meist ist es der soziale Aspekt der in der Kritik steht, sowie die Bildung. Wir können von unserer Seite aus bestätigen, dass die Sorge darum völlig unbegründet ist. Wir haben viele Kinder kennengelernt, sowohl Kinder die fremd betreut werden, als auch selbst betreute Kinder (auch viele die bereits Freilerner sind) und folgende Erfahrung gemacht: Es ist bisher immer so gewesen, dass fremd betreute Kinder meist asozialer sind. Im Sinne von „wir geben nichts ab“, „das machst du falsch“ und andere Aussagen die dein Gegenüber verunsichern. Es findet kein Miteinander statt. Es ist mehr ein Kampf wer was besser kann und es wird um die Gunst der Erwachsenen gebuhlt. Unseren Kindern macht es keinen Spaß mehr, mit „normalen“ Kindern zu spielen. Es ist auch oft so, dass kein liebevoller Umgang stattfindet. Das ist wirklich sehr schade und unter „freien“ Kindern definitiv anders! Klar, es gibt Ausnahmen, die bestätigen schließlich die Regel. Negativ wäre es, wenn man seinen Kindern das eigene Weltbild aufdrückt, ohne die Alternativen aufzuzeigen. Das Kind also in einer Blase aufwachsen lässt, die nichts anderes außer der eigenen Sicht zulässt. Wie zB bei religiösen Fanatikern. Aber so viele gibt es davon gar nicht, die meisten sind ganz normale Menschen 😉 Man sollte es einfach zumindest eine Zeit lang für sich selbst ausprobieren! Man wird es sicher nicht bereuen. Im Gegenteil, die Kinder blühen zu Hause total auf. Sie fühlen sich zu Hause sicher und geborgen, die beiden gehören zu den wichtigsten Punkten um eine positive Entwicklung sicherzustellen. Die Eltern können es einfach am besten, ihr kennt euer Kind und wisst wann es sich gut oder schlecht fühlt. In einem Kindergarten wird so manches übersehen, weil wir einen sehr schlechten Betreuungsschlüssel haben. Da könnte man jetzt vieles aufzählen. Wichtig ist: Selber ausprobieren. Nur so kann man die positiven Auswirkungen auf das Kind selbst erkennen.

Selbstbetreuung.de:
Liebe Nadine, ganz herzlichen dank fürs ausfüllen …
Ja du hast recht, bewegen kann sich nur etwas, wenn mehr Menschen einfach den Mut haben, den Weg zu gehn denn sie für richtig halten. Leider beugen sich zu viele dem Druck der anderen und entscheiden sich u.U. dann anders – gegen ihr Herz, gegen ihre Überzeugung.
Ich freu mich sehr, dass du so aktiv dazu beiträgst, die Selbstbetreuung voranzutreiben und allen zeigst, dass es geht – wenn man nur wirklich will. Alles gute für euch!

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